Wenn Meetings müde machen, zahlen Unternehmen den Preis

Nicht jedes Problem im Unternehmen zeigt sich in Konflikten. Die teuersten Meetings sind die, die unbemerkt Konzentration und Leistungsfähigkeit ziehen. Die Checkliste am Ende zeigt, ob euer Unternehmen von Videokonferenzmüdigkeit („Zoom Fatigue“) betroffen ist.
Viele Führungskräfte erleben Videokonferenzen als praktisch und funktional. Der Austausch klappt. Informationen werden geteilt. Projekte laufen. Also scheint alles in Ordnung. Das Problem ist, dass Videokonferenzmüdigkeit schleichend wirkt und sich in Symptomen zeigt, bei denen viele denken, dass man ohnehin nichts dagegen tun kann. Sie führt selten dazu, dass Meetings komplett scheitern. Viel häufiger zeigt sie sich subtil: Mitarbeitende wirken äußerlich anwesend, sind innerlich aber längst ausgestiegen. Diskussionen ziehen sich. Entscheidungen dauern länger. Themen müssen mehrfach besprochen werden. Das kostet Zeit. Und Zeit ist eine der teuersten Ressourcen im Unternehmen.
Was soll das denn sein, „Videokonferenzmüdigkeit“?
Der Begriff beschreibt eine mentale und körperliche Erschöpfung, die durch zu häufige oder ungeeignet gestaltete Videokonferenzen entsteht. Bei Videokonferenzen spricht die Wissenschaft von jeder Art der Online-Zusammenkünfte: Online-Meeting, Online-Workshop, Webinar, Online-Tagung usw. René Riedl definiert Videokonferenzmüdigkeit (oder auch „Zoom Fatigue“) als somatische und kognitive Erschöpfung, die häufig mit Müdigkeit, Stress, Unwohlsein, Sorgen und körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen einhergeht.
Es geht nicht um „normale Müdigkeit“. Videokonferenzmüdigkeit ist eine nachweisbare Belastungsreaktion. Studien konnten Veränderungen der Gehirnaktivität sowie physiologische Stressreaktionen objektiv messen.
Der wichtigste Punkt ist jedoch: Es kann etwas dagegen getan werden, aber dazu später mehr.
Warum Videomeetings unser Gehirn so stark beanspruchen
Unser Gehirn ist für direkte Kommunikation gemacht. Digitale Kommunikation zwingt es dagegen permanent zur Kompensation. Dabei wirken mehrere Stressoren gleichzeitig:
Die gute Nachricht: Das Problem ist lösbar
Videokonferenzmüdigkeit ist kein unvermeidbarer Preis von Remote- oder hybrider Arbeit. Mentale Erschöpfung bei Mitarbeitenden reduziert die Fähigkeit, Informationen sauber zu verarbeiten und Prioritäten klar zu setzen. Je erschöpfter Menschen sind, desto seltener beteiligen sie sich aktiv. Fragen bleiben aus. Ideen werden nicht eingebracht. Kreativität sinkt.
Doch wer kann dieses Problem überhaupt lösen?
Ein ineffizientes 60-Minuten-Meeting mit acht Teilnehmenden kostet schnell mehrere hundert Euro Arbeitszeit. Wenn davon nur 20 Prozent durch Erschöpfung, Ablenkung oder Wiederholungen verloren gehen, summiert sich das erheblich.
Dabei ist Videokonferenzmüdigkeit kein individuelles Problem von einzelner Mitarbeitenden, sondern meist das Ergebnis von unpassenden Meetingstrukturen und Kommunikationsregeln. Genau diese Rahmenbedingungen werden auf Führungsebene gestaltet und beeinflussen maßgeblich, wie effizient digitale Zusammenarbeit im Unternehmen funktioniert. Wer als Führungskraft hier bewusst steuert, reduziert nicht nur Erschöpfung im Team, sondern verbessert gleichzeitig Produktivität und Entscheidungsqualität.
Kleine Veränderungen, große Wirkung
Oft reichen wenige strukturelle Anpassungen, um die Belastung spürbar zu reduzieren:
- Meetings zeitlich begrenzen (Du willst wissen warum? Dann frag uns doch).
- Verbindliche Pausen zwischen Terminen einplanen. Mit „verbindlich“ meinen wir: echte Kalender-Blocker für Deep Work, ohne Meetingunterbrechungen.
- Alle 5–10 Minuten eine Interaktion einbauen, auch in kleinen Meetings mit fünf Personen. Denn lange reine Zuhörphasen funktionieren online, und auch in Präsenz, kaum noch, da die Aufmerksamkeitsspanne sinkt.
- Selbstansicht testweise ausblenden: einfach ausprobieren, ob es hilft oder eher ein ungewohntes Gefühl auslöst. Wir haben beides als Rückmeldung bekommen, aber vielen hilft es sehr. Schließlich sitzen wir auf der Bühne oder im Konferenzraum ja auch nicht vor einem Spiegel.
- Die entscheidende Frage stellen: Ist dieses Meeting wirklich notwendig oder reicht eine E-Mail? Reine Informationsweitergabe braucht kein Meeting, sinnvoll ist es nur bei echter Abstimmung oder Themen mit Gesprächsbedarf.
Checkliste: Betrifft uns Videokonferenzmüdigkeit?
Beantworte spontan mit Ja oder Nein:

Wenn du mehr als drei Mal Ja gesagt hast …
… ist Zoom Fatigue vermutlich bereits Teil deines Arbeitsalltags.
Dies ist natürlich nur eine kurze Checkliste und zeigt nur die offensichtlichen Warnsignale. Die spannendere Frage ist: Wie lange kompensiert dein Gehirn das schon, ohne dass du es merkst?
Du willst es genauer wissen? Wir haben einen kostenlosen Online-Test* entwickelt, der dir eine detaillierte Einschätzung gibt, ob und wenn ja, wie stark du betroffen bist.
*Um deine persönliche Auswertung des Tests und erste Tipps zu erhalten, bitten wir um deine E-Mail-Adresse. In der Folge schicken wir dir hin und wieder Mails mit wertvollen Hinweisen rund um Online-Formate sowie Einladungen zu unseren Veranstaltungen und Workshops. Wir spammen dich nicht wöchentlich voll, versprochen!
Noch lieber live als allein am Bildschirm? In unserem kostenfreien 45-minütigen Online-Workshop zeigen wir konkrete Handgriffe gegen Zoom Fatigue – direkt zum Ausprobieren: Jetzt kostenfrei zum Workshop anmelden
Unterstützung gewünscht? Schreibt uns oder buche direkt einen unverbindlichen Termin zum Check deines Vorhabens! Folge @Lindmanns auf LinkedIn und abonniert unseren Newsletter, um weitere Tipps, Ratgebertexte und Erfahrungsberichte nicht zu verpassen.











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