Warum schweigen alle? Beteiligung bei Online-Events.

Im Online-Workshop zu schweigen ist selten eine aktive Entscheidung. Meistens fehlt einfach das Gefühl: „Hier darf ich mitmachen.
Ein Webinar oder Online-Fachtag kann einwandfrei laufen, gut geplant und inhaltlich stark sein. Und trotzdem ist es irgendwie nicht gut. Die Kameras sind aus, die Teilnehmenden bleiben stumm. Wenn es kein Pflichttermin ist, liegt es eher nicht an mangelndem Interesse, sondern an der Atmosphäre.
Dahinter steckt fehlende psychologische Sicherheit. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Teilnehmende sich wirklich beteiligen, Fragen stellen, eine Meinung äußern, oder überhaupt nur die Kamera einschalten. Und diese Sicherheit entsteht nicht von selbst. Sie muss gestaltet werden.
Die Einlassphase ist nicht der Warteraum, sie ist Programm.
Bevor die Veranstaltung offiziell beginnt, ist es schon oft entschieden: Wer sich in einen stillen Raum einwählt, in dem niemand spricht und alle Kameras aus sind, zieht sich zurück. Wer in einen Raum kommt, in dem jemand aktiv begrüßt, informelle Gespräche anzettelt und schon mal die wichtigsten Regeln erklärt, öffnet sich vielleicht schon, bevor es losgeht.
Deshalb beginnt bei uns die Co-Moderation immer vor dem offiziellen Start: Wir sind da, sprechen Teilnehmende an, ermuntern sie dazu, ihre Mikros zu testen, oft wird durcheinandergeredet und manchmal sogar gelacht. Damit setzen wir aktiv die Atmosphäre für die spätere Veranstaltung und senden das Signal: Hier ist Beteiligung gewünscht! Wer in diese Stimmung hereinkommt, traut sich auch später eher, selbst etwas zu sagen.
Orientierung schafft Sicherheit.
Wer nicht weiß, wie ein Raum funktioniert, verhält sich vorsichtig. Was für Präsenzveranstaltungen gilt, gilt im digitalen Raum noch stärker, weil viele unterschwellige Signale hier nicht existieren. Werden die Spielregeln zu Beginn der Veranstaltung mitgeteilt, wissen alle, woran sie sind.
- Gerne Kameras anschalten, wir freuen uns, euch zu sehen, wenn es für euch okay ist.
- Während der Vorträge bitte Mikrofone aus.
- Fragen bitte in den Chat, ins F&A-Tool oder in die dafür vorgesehenen Fragerunden.
- Wo ist der Chat, wo schalte ich Untertitel an?
- Keine KI-Transkriptionstools, bitte.
- Etc.
Diese Hinweise klingen banal. Aber sie nehmen Unsicherheit, und Unsicherheit ist der größte Feind von Beteiligung.
Niedrigschwellige Einstiege: erst einmal ankommen.
Wer die den Teilnehmenden nach einer Stunde Frontalvortrag die erste Frage stellt, hat sie längst verloren. Zu Beginn sofort komplexe Fragen beantworten zu lassen, ist aber auch keine gute Idee. Zu groß ist das Risiko, dass Teilnehmende noch zu unsicher sind, um sich zu zeigen, und sich zurückziehen. Wer zu Beginn mit einer einfachen, niedrigschwelligen Einladung abgeholt wird, öffnet sich eher und dann Stück für Stück mehr.
Bewährt haben sich Formate, bei denen alle gleichzeitig und ohne Bewertungsdruck bzw. anonym antworten können: eine einfache Einstiegsfrage mit Mentimeter oder ein Chatwasserfall, ein ein Whiteboard zum Sammeln etc. Das Ziel ist das Erleben: Ich bin hier, ich darf mitmachen, meine Antwort ist willkommen und wird wahrgenommen.
Welches Format passt, hängt natürlich von der Gruppe und der Aufgabe ab. Bei großen Gruppen mit vielen Antworten gleichzeitig eignet sich Menti besser als ein Chatwasserfall. Für strukturiertere Gruppenarbeit kommen TaskCards oder Whiteboards zum Einsatz. Das Prinzip bleibt dasselbe: erst einmal ankommen, dann kann es später in die Tiefe gehen.
Anonymität senkt die Hemmschwelle.
Nicht jede Frage wird offen gestellt. Nicht jede Meinung wird geäußert, wenn der eigene Name dahintersteht. Hier schaffen anonyme Formate Abhilfe. Auch das hängt sehr vom Thema und der Gruppe ab. Wenn die Fragen bzw. die Antworten darauf sensibel sind, kann es sehr hilfreich sein, wenn sie nicht zugeordnet werden können.
Anonyme Umfragen in Mentimeter, die Möglichkeit anonymer Fragen im F&A-Tool oder im Chat: All das senkt die Hemmschwelle erheblich. Wichtig dabei: Diese Möglichkeiten müssen erklärt werden. Wer nicht weiß, dass eine Umfrage anonym ist, wird sich so verhalten, als wäre sie es nicht.
Kein Kamerazwang, aber eine Einladung.
Die Kamera einzuschalten ist für viele Teilnehmende eine Hürde. Schlechtes Licht, unaufgeräumter Hintergrund, einfach keine Lust: Die Gründe sind vielfältig und alle legitim. Wer zur Kamera gezwungen wird, fühlt sich nicht respektiert.
Gleichzeitig verändert es eine Veranstaltung, wenn Gesichter zu sehen sind. Deshalb laden wir schon im Einlasse freundlich ein: Wir sehen euch gerne, wenn es geht. Wer selbst entscheiden darf, fühlt sich respektiert und schaltet die Kamera oft freiwillig ein.
Wer Beteiligung will, muss sie gestalten.
Wer psychologische Sicherheit nicht aktiv plant, überlässt die Beteiligung dem Zufall und verschenkt das größte Potenzial eines Online-Events: den echten Austausch zwischen Menschen, die zur gleichen Zeit im gleichen virtuellen Raum sind.
Und wer Unterstützung bei der Gestaltung sucht, findet sie bei uns.
Unterstützung gewünscht? Schreibe uns oder buche direkt einen unverbindlichen Termin zum Check deines Vorhabens. Folge @Lindmanns auf LinkedIn und abonniere unseren Newsletter, um weitere Tipps, Ratgebertexte und Erfahrungsberichte nicht zu verpassen.



Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!